Der Don aus Brachttal

Das Virus Covid19 hält die Welt in Atem. Derzeit kann man die Folgen und die nahen Ereignisse nicht absehen. Gefühlt macht sich bei vielen Menschen eine Leichtsinnigkeit im Alltag wieder breit. Selbstverständlich kann man es nachvollziehen, dass nach Homeoffice und Kurzarbeit ein Lagerkoller entstanden ist. Dennoch ist es eine Gratwanderung, welche wir derzeit durchmachen und ich persönlich halte mich sogar noch strenger an die Regeln als zuvor. Natürlich ist auch unser Sport nicht von dem Lockdown verschont geblieben.

Hugo Port

Daher freue ich mich umso mehr, dass Hugo Port, der HPV Vizepräsident kurzer Hand bereit war uns ein paar Fragen zu beantworten.

Momentan steht alles im Zeichen des Lockdowns. COVID-19 und die seine Nachrichten bestimmen unser Leben. In wie weit wird es das zweite Halbjahr sportlich beeinflussen?

Da fehlt mir die Glaskugel. In wie weit wir unsere Saison starten, spielen oder ausfallen lassen müssen ist aktuell nicht absehbar. Sicherlich bleibt es bei Einschränkungen und sicherlich wird das eine oder andere Event davon stark betroffen sein. Wir werden uns entsprechend den Vorgaben unsere Landesregierung bewegen und das in enger Abstimmung mit dem DPV und den anderen Landesverbänden.

Ist es überhaupt möglich den Ligabetrieb aufzunehmen und habt ihr keine Bedenken bezüglich der Fürsorgepflicht des Verbandes?

Sollten Wettbewerbe stattfinden können, dann nur entsprechend den Vorgaben unsere Landesregierung und in enger Abstimmung mit dem DPV und den anderen Landesverbänden. Dabei bleibt es jedem selbst überlassen, an diesen teilzunehmen, wir werden sicherlich niemanden zwingen, an einem Wettbewerb teilzunehmen. Veränderungen, die den Liga- Betrieb betreffen, sind sicherlich nur in Abstimmung mit den Vereinen möglich.

Nun ist es seit einigen Tagen amtlich, der HPV beschloss im Gremium die Absage der Ligasaison 2020. Hätte man nicht auch ohne ein demokratisches Votum eine Entscheidung treffen können?

Alle Mitglieder des Vorstandes stehen voll hinter den Entscheidungen, das Votum ist einfach der Situation geschuldet, dass die Liga-Ordnung mitstimmungspflichtig ist und wir hier eine in ihr bis dato nicht beschriebene Situation meistern und beschließen mussten.

Gab es Zweifel eurer gewählten Autorität, oder wie kam es zu dieser Vorgehensweise?

Das geänderte Vereinsrecht erlaubt seit neustem u.a. Mitgliederentscheidungen online herbeizuführen, daher haben wir diesen Schritt als sinnvoll erachtet.

Welches Ergebnis wünscht Du dir und wie schätzt Du das tatsächliche Resultat ein?

Die bisherigen Rückläufe haben bis auf eine Antwort ALLE „Ja“ erbracht. Auch die beigefügten Kommentare zeigen auf, dass die Vereine unsere Entscheidungen durchweg begrüßen und für sinnvoll erachten.

Ich selbst bin hoch zufrieden mit diesem Zwischenergebnis und denke, dass wir noch vor dem 30.04.20 ein klares Votum vorliegen haben.

Wird es nach der Lockerung der Lockdown-Bedingungen eine Empfehlung des Verbandes an seine Vereine geben? Zum Beispiel, was muss ich als Turnierausrichter beachten, um meiner Fürsorgepflicht nachzukommen?

Wie bereits erwähnt, sind die Vorgaben der Regierung für uns bindend, darüber hinaus findet wöchentlich eine freiwillige offenen Stunde (als Telko) statt, bei der sich die Präsidenten der LV und der DPV untereinander abstimmen können. Wir werden bei Bedarf entsprechende Empfehlungen aussprechen.

Wie hat das Präsidium in dieser Phase miteinander kommuniziert?

Über Chatgruppe und Telko.

Man hört und liest in den Medien, das viele Sportvereine extreme finanzielle Einbußen erleben und kurz vor dem Aus stehen. Gibt es bei uns derartige Anzeichen?

Mir sind keine bekannt.


Hugo lass uns das Thema mal wechseln und uns mehr mit deiner Person und anderen Verbandsthemen neben den aktuellen Geschehnissen beschäftigen. Du bist jetzt knapp über 60 Jahre und bereits im Vorruhestand, lebst sehr gemütlich in Brachttal und hast das Amt des Vizepräsidenten des Hessischen Pétanque Verbandes inne. Eigentlich könntest Du doch eine ruhige Kugel schieben.

Du gehörst seit Jahrzehnten zu den Machern im Hessischen Pétanque Verband, welche Motivation treibt Dich an?

Deutsche Meisterschaft Doublette auf der Tromm

Ich bin seit meinem 18. Lebensjahr ehrenamtlich tätig. Jedoch war es nie geplant, im HPV eine Funktion zu übernehmen; weder als OCH-Beauftragter, noch als Schiedsrichterwart, geschweige denn als Mitglied im geschäftsführenden Vorstand. Leider gibt es aber auch in unserem Verband immer wenigere, die bereit sich zu engagieren, sich aktiv einzubringen und für den einen oder anderen Bereich die Verantwortung zu übernehmen. Ein großer Teil unseres sozialen Lebens findet in unseren Vereinen statt. Ich liebe diese Form des Miteinander und ich liebe unseren Sport. Um dies zu erhalten bin ich gerne bereit, meinen Teil dafür einzubringen. Sei es in meinem Verein, in unserem Landesverband oder im DPV.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sich gerade unsere jüngeren Spieler mehr in die administrativen Bereiche einbringen. Die ersten Anfänge sind gemacht, aber wir brauchen noch weitere neue, frische Gesichter in unseren Gremien. Nur wenn wir junge Leute als Funktionäre gewinnen können, werden wir uns erneuern. Damit dies gelingt sind die Mitglieder aller Vereine gefordert.

Die Aufnahme in den Landessportbund Hessen ist beschlossene Sache. Welche Vorteile oder welchen Mehrwert dürfen die Mitglieder in den nächsten Jahren erwarten?

Ein Verein mit eigenem Gelände hat sicherlich andere Wünsche und Ziele als ein Verein wie der meinige, der weder Gelände noch eigenen Vereinsräume besitzt. Manche setzen eher auf Unterstützung in den Bereichen Ausbau und Erhalt ihrer Sportanlagen, anderen eher auf Entwicklung im Bereich Jugendarbeit, Training, Weiterbildung. Ich denke, für beide bringt die Mitgliedschaft Vorteile.

Für unseren Verband und somit indirekt natürlich für alle Vereine bieten sich allein durch die Fördergelder des LSB größere finanzielle Spielräume, besonders im sportlichen Bereich, im Bereich der Jugend und des Breitensportes. Spielräume, die wir ansonsten nur durch zusätzliche eigene Mittel sprich Mitgliedsbeiträge bedienen könnten.

Für meinen „kleinen“ Verein stand übrigens besonders die Absicherung unserer Spieler im Fokus.

Welches oberste Ziel, mal abgesehen von der Aufnahme in den Landessportbund verfolgt der Verband in diesem Jahr?

Sowohl die Mitgliedergewinnung als auch der Breitensport im Allgemeinen hat noch viel Luft nach oben. Aber zu allererst wollen wir alle die aktuelle Situation gesund und Schad frei durchstehen.

Und die Defizite, wie sieht es damit aus? Aus der Sicht des Funktionärs betrachtet, wo habt Ihr eure Hausaufgaben nicht so gut gemacht?

Kommunikation. Ob Jugendarbeit, Mitgliedergewinnung, Breitensportaktivitäten oder Ausrichten von Spieltagen oder Meisterschaften, sowie Turnieren: in erster Linie kann der Landesvorstand nur Grundlagen schaffen, Leitplanken festlegen, die Weichen stellen und Anstöße geben. Die Umsetzung muss bei der Basis, den einzelnen Vereinen erfolgen. Hier liegt noch viel im Argen. Anscheinend versickern viele Ideen auf dem Weg durch die einzelnen Ebenen.

Rund um die Hessenliga gab es immer viel Diskussion. Ich erinnere mich an Beschwerden die Spieltage nicht in die Ferienzeit fließen zu lassen und vieles andere mehr. An Ausrichtern fehlt es ohnehin jedes Jahr zunehmend. Wie gedenkt der Verband Lösungen zu finden?

Bis dato findet kein Vorstoß, am Ablauf der Liga etwas zu verändern eine Mehrheit der Landesversammlung. Eine eingesetzte Arbeitsgruppe konnte keine brauchbare Alternative vorstellen. In wieweit sich durch die aktuelle Situation eine Veränderung der Denkweise einstellt, bleibt vorerst abzuwarten. Wir werden sicherlich im nächsten Präsi- & Sportwartetreffen das Thema erneut auf der Tagesordnung haben. Unser Kopf ist rund, damit sich die Gedanken auch mal in eine andere Richtung drehen können, darauf setze ich. Der Vorstand an sich steht Veränderungen in diesem Bereich relativ offen gegenüber.

Man hat manchmal das Gefühl, alle wollen Hessenliga spielen – aber keiner bringt sich ein?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Noch gibt es zahlreiche Vereine, die uns mit Taten unterstützen. Dennoch muss ich dir recht geben, viele nehmen gerne, aber beim Geben hapert es. Um es den Ausrichtern leichter zu machen, haben wir bei den Anforderungen schon viele Abstriche gemacht, dennoch sind es oft dieselben, die hier aktive Unterstützung leisten. Langsam werden deren Mitglieder aber müde.

Was wünscht Du Dir von den Mitgliedern, um dieses Problem in der Zukunft zu lösen?

Wie bereits erwähnt, fehlt es oft am wollen. Das Tun ist manchmal leichter als gedacht. Nimm meinen Verein, wir richten seit Jahren einen Liga Spieltag und ein großes Triplette Turnier aus. Bis dato hatten wir einen starken Rückhalt in unserem alten Stammverein. Nun sind wir selbstständig und nur noch eine kleine Truppe. Dennoch werden wir wieder als Ausrichter aktiv sein, denn wir haben einen anderen Verein gefunden, der auf eigene Rechnung das komplette Catering übernimmt. Wir kümmern uns nur um den Spielbetrieb. Und ich denke, so etwas müsste in jeder Region möglich sein.

Wie sahen deine größten sportliche Erfolge aus?

Meine größten sportlichen Erfolge im Pétanque sind sehr überschaubar und waren allesamt Mannschafterfolge. Dazu zählen sicherlich die zweimaligen Aufstiege in die 2. Hessenliga und die zwei Gewinne des MKK Cup. Darüber hinaus war jeder einzelne Sieg aber auch viele knappe Niederlagen sportliche Erfolge.

OCH – Einsatz gegen Dieburg

Wird es jemals professionellen und bezahlten Pétanque-Sport in Deutschland geben?

Der Begriff „jemals“ ist ein zeitlich großer Zeitraum. Für mich und meinen überschaubaren Zeitrahmen ist dies kein Ziel.

Man diskutiert in Dachverband über eine zweite Bundesliga. Wie denkst Du darüber?

Hier liegen meine Prioritäten wo anders. Aus sportlicher Sicht ist dies sicherlich reizvoll, aber vor dem Hintergrund, das nach der letzten Saison es hieß, einige Bundesligisten würden aus finanziellen Gründen nicht mehr antreten, sehe ich dies eher kritisch.

Wie sieht momentan dein Alltag aus?

In der Geschäftsstelle ist es relativ ruhig, alle notwendigen Aufgaben zum Saisonstart sind getätigt. Privat werkele ich weiter an meinem 200-jährigen Häuschen. In den freien Stunden und besonders bei dem aktuell sonnigen Wetter macht sich verstärkter Eisenmangel breit.

Welches persönliche Anliegen in Bezug auf unseren Lieblingssport beschäftigt Dich am meisten und welche Worte würdest Du unseren Lesern gerne noch mitgeben?

In unserem Sport verschwimmen die Grenzen zwischen Alter, Geschlecht, Herkunft und sozialer Stand total. Wie so oft gibt es die einen, die alles nur als Freizeitvergnügen sehen und die anderen, denen es auf sportliche Leistung ankommt. Breitensport und Leistungssport haben beide ihre Berechtigung. Diese Vielfalt gilt es zu erhalten und weiter auszubauen. Dazu gehören u.a. auch Toleranz, Fairness und Anerkennung. Für mich sind alle Lizenzspieler Leistungssportler, alle sind bemüht ihre besten Leistungen abzugeben, jeder in seiner Leistungsklasse. Unsere Leistungssportler sollen sich als solche fühlen und das durch Auftreten und Verhalten nach außen sichtbar machen.

Hugo, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch. Ich hoffe wir können uns dieses Jahr noch irgendwo sehen und wünsche Dir nur das Allerbeste.

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